Der Hofmeister – Lenz

[sociallocker][/sociallocker]

“Der Hofmeister” von Jakob M. R. Lenz (Oder auch: Der Hofmeister und die Vorteile der Privaterziehung)

Es handelt sich um ein Drama, das um 1774 entstanden ist und sowohl  in Ostpreußen als auch in Sachsen spielt. Hauptperson ist ein Hofmeister namens Läuffer, der sich in die abhängige Stellung eines Hauslehrers begibt und sich daraufhin in die Tochter seines Hausherrn, des Majors, verliebt. Er entehrt sie und flieht zum Dorfschulmeister. Schließlich versucht er sein neues Ideal eines einfachen, enthaltsamen Lebens bis zur Selbstentmannung zu verwirklichen.

Figurenkonstellation

Manche Figuren treten nur kurz auf. Sie sind eher Vertreter eines Standes und oft überzeichnet dargestellt z.B.: Majorin von Berg, Graf Wermuth und von Seiffenblase. Ansonsten finden sich im “Hofmeister” viele sprechende Namen, wie z.B.
Läuffer = Dienstbotenstellung, sexuelle Gebtriebenheit („läufig“)

Läuffer :
Läuffer ist ein junger Theologe ohne kirchliches Amt => keine Chance auf Arbeit als Pastor oder Lehrer an Schule und deswegen zum Hofmeister des Majors. Er beginnt ein Verhältnis mit seiner Schülerin Gustchen, die von ihm schwanger wird. Läuffer zeigt sich stets naiv und unterwürfig zum Beispiel bei der Lohn Kürzung.  Zudem kann man sagen, dass er nie Herr der Situation ist, das heißt er vollzieht  keine überlegten Handlungen (z.B. Selbstkastration = Kurzschlussreaktion aus Reue und Verzweiflung)
Gustchen:
Gustchen ist die typische Tochter (des Majors) aus besserem Hause. Ihre Erziehung setzt sich aus Religions- und Zeichenunterricht zusammen. Allerdings hat die Literatur einen großen Einfluss auf sie. Man könnte sagen, dass das Lesen der Lektüren sie zu einem Leben fernab von der Realität verführt(z.B. spricht Fritz / Läuffer als Romeo an + sieht sich als Julia).

Zwei Ansätze zur Interpretation

1. Diskussion: Private oder öffentliche Erziehung?
Im “Hofmeister” werden die Vor – und Nachteile der verschiedenen Erziehungsmodelle diskutiert. Auf der einen Seite steht der Geheime Rat für die öffentliche Erziehung. Im Gegensatz dazu der Major, der von der privaten Erziehung überzeugt ist und diese auch mittels des Hofmeisters an seinen Kindern vollzieht. Der Geheime Rath ist der der Ansicht, dass die Hofmeister in Abhängigkeit leben, nur um eine bessere Stellung zu erlangen. Zudem seien sie nicht wirklich gebildet.  Er denkt, dass der Adel sich vom Volk abschottet durch die Privaterziehung.
Der Autor Lenz scheint auf der Seite des Geheimen Raths zu sein, da die Privatlehrer im Stück eher skurril und triebgesteuert dargestellt werden und d. G. Rath insgesamt positiver wirkt.
Fritz Beispiel für öffentliche Erziehung: wird vom Studenten zum verantwortungsbewussten Bürger, der Gustchen verzeiht

2.Sexuelle Triebe
Ein weiteres wichtiges Thema im “Hofmeister” sind die sexuellen Triebe. Hier finden sich gegensätzliche Modelle:
Anfälligkeit der Frauen – unmoralisches Draufgängertum der Männer
Ehe – Kastration
Man kann sagen, dass sämtliche Figuren außer dem Geheimen Rat von Berg mehr oder weniger triebgesteuert dargestellt werden. Die Selbstentmannung durch Läuffer folgt als Höhepunkt. Wenzeslaus fungiert  als Mentor. Es soll ein Akt der Selbstbestrafung werden, da Läuffer nun öffentlich geächtet wird durch den vollzogenen, vorehelichen Geschlechtsverkehr und die damit verbundene Zeugung eines unehelichen Kindes.
Lenz zeigt an Läufferd die Konsequenz der sinnlichen Unterdrückung. Seiner Zeit wurde viel diskutiert, ob die Selbstentmannung eine sinnvolle Methode den Trieben und der darauffolgenden, öffentlichen Ächtung zu entgehen.

Weitere Figuren sowie ein übersichtliches Modell zur Konstellation findest du im Video!

 

 

 

Weitere Lernvideos zum Fach Deutsch findest du hier. Bei inhaltlichen Fragen kannst du dich jederzeit an unser Forum wenden. Dort stehen wir dir Rede und Antwort!