Woyzeck Teil 1

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Der “Woyzeck” von Georg Büchner ist eine wichtige Lektüre im Deutschunterricht der Oberstufe.

Das Werk lässt sich der Epoche des Vormärz zuordnen  und ist ein soziales Drama. Im Vergleich zum klassischen Drama ist zum Beispiel die gesellschaftliche Realität ein beherrschendes Thema. Außerdem findet sich eine Determiniertheit der Protagonisten sowie eine Materialistisch-pessimistische Perspektive. Weitere Kennzeichen beider Dramen könnt ihr der Tabelle im Video entnehmen.

Eine kurze Inhaltsbeschreibung: Der einfache Soldat Franz Woyzeck, der seine Freundin Marie und das gemeinsame uneheliche Kind finanziell zu unterstützen versucht, arbeitet als Laufbursche für seinen Hauptmann. Um sich einen zusätzlichen Verdienst zu seinem mageren Sold, den er restlos an Marie abgibt, zu sichern, lässt er sich von einem skrupellosen Arzt zu Versuchszwecken auf Erbsendiät setzen. Hauptmann und Arzt nutzen Woyzeck nicht nur physisch und psychisch aus, sondern demütigen ihn obendrein in aller Öffentlichkeit.
Als Marie heimlich eine Affäre mit einem Tambourmajor beginnt und Woyzecks aufkeimender Verdacht sich bestätigt, nachdem er Marie im Wirtshaus beim Tanz mit dem Nebenbuhler beobachtet hat, glaubt er, innere Stimmen zu hören, die ihm befehlen, die treulose Marie umzubringen. Weil sein Geld für den Kauf einer Pistole nicht ausreicht, besorgt er sich ein Messer, führt Marie auf einem abendlichen Spaziergang in den nahegelegenen Wald und ersticht sie dort am Ufer eines Sees.

Personenkonstellation:

Hauptperson des Dramas ist der einfache,ungebildete Soldat Woyzeck. Durch die einfache Sprache kennzeichnet Büchner, dass Woyzeck der unteren Gesellschaftsschicht angehört.
Der Soldat hat zudem ein uneheliches Kind mit Marie Zickwolf und muss hart arbeiten zu teilweise unmenschlichen Bedingungen, um seine Familie versorgen zu können.  Die Figur Woyzeck verinnerlicht drei verschiedene Identitätszustände:

Soziale Identität: Unterschicht angehörig; ist Hauptmann und Doktor unterlegen; Tambourmajor lässt W. Überlegenheit spüren; Marie liebt W., verlässt ihn jedoch wg Tambourmajor und W. Psychischer Störung
Persöhnliche Identität: Unterwürfig, fatalistisches Weltbild, lebt nur für Familie, labiles Selbstwertgefühl
Identitätsdiffusion: Verlust von Marie → W verliert labiles Selbstwertgefühl → beschädigte/negative Identität → seelische Störung

Die Psychose entsteht dann sowohl durch die körperlichen Belastungen (Ersben-Experiment), als auch durch die seelischen Belastungen (Verlust Marie). Letztlich trägt der soziale Druck auch noch eine entscheidene Rolle. Folen der Psychose bei Woyzeck sind Realitätsverluste, eine verzerrte Wahrnehmung, Isoliertheit und unverantwortliche Handlungen.
Die Mord-Motive sind vermutlich Eifersucht, die psychische Störung sowie der Wunsch sich von dem Druck der Gesellschaft zu befreien.

Mehr Figuren-Interpretationen findest du im Video!

Bedeutung der Sprache im “Woyzeck”:

– Abbilden von Ausbildung/Beruf, Schichten-Zugehörigkeit, regionale Verwurzelung, seelische Zustände
– bewusst eingebaute Satzbrüche, Ellipsen und Interjektionen → Umgangsprache =>Authentizität, Spannung
– Aneinandervorbeireden der Menschen → Einsamkeit Woyzecks + zerbrechende Beziehung
– verschiedene Sprachebenen → Andeuten des gesellschaftlichen Rangs der Sprecher

Büchners Stil und der Bezug zur Epoche:

– Verarbeitung von politischem Bewusstsein
– Gesellschaftliche Realität als Thema
– Verarbeitung anderes Menschenbild (Triebnatur, Frembestimmung, gesellschaftl. Zwänge)
– Ziel: Kritik am bestehendem Gesellschaftssystem
– Frage nach ungleicher Verteilung äußerer Lebensbedingungen + sozialer Privilegien → dargestellt durch Figurenkonstellation/Handlung

Mehr Informationen hierzu  findest du im Video!